Vorbemerkung
Helena-Dreieck wurde konzipiert, nachdem der Gnosisroman beiseitegelegt wurde. Einige Ideen und Szenen daraus finden sich deshalb in Helenadreieck wieder (Ebenso Gedankengänge und Monologe aus dem Romantorso „Topmodell“). Nachdem Gnosisroman wieder aufgegriffen und veröffentlicht wurde, waren die Überschneidungen mit diesem Roman zu offensichtlich, um weiter ausgearbeitet und veröffentlicht zu werden.
Konzept Helena-Dreieck
Hauptpersonen: Johannes, Ellen, Magnus.
Nebenerzählung/Epilog: Der Engel der gescheiterten Hoffnungen.
Struktur: Prolog und 3 einleitende Kapitel, um die Personen vorzustellen. Die Erzählung führt im Zirkel zurück zur Eingangssituation.
Hintergrund: Helena-Mythos (siehe Gnosis Roman).
Im Epilog tritt ein „Engel der gescheiterten Hoffnung“ auf, der aus einer imaginären Überschau heraus die Geschichte Erzählen/Modifizieren kann.
Thema: was man sich einander zufügt – Verletzungen, Schädigungen – ohne es zu wollen, aus der Konstellation, den Umständen heraus. Aneinander schuldig werden, absichtslos. Das gilt vor allem für Ellen.
Ebenso Thema: in welcher Realität leben wir und gibt es einen Ausgang aus ihr? Johannes denkt, die „Liebe“ ist der Weg (das Ziel), beschädigt sich aber dabei selbst, da Illusionsverirrt. Magnus sucht den Ausgang in der magischen Verschiebung der Realität (und triftet in den Wahn ab)- nur Ellen sucht keinen Weg in eine andere Wirklichkeit, sondern lebt bewusst die Gegenwart (jedoch die Zukunft ist ihr ein Alp).
Johannes: der sentimentale Liebhaber, der glaubt, in Ellen die wahre Wirklichkeit gefunden zu haben.
Ellen: Schönheit, Sehnsuchtsziel (anderer), Wirklichkeitssinn.
Magnus: verfolgt seine Obsession, durch Kunst Magie zu erzeugen und durch Magie die Realität zu bezwingen. Wird dadurch an Ellen schuldig.
Vertiefung und Erweiterung der Dreiecksbeziehung durch Helena-Mythos. Wie spiegelt sich die Jetztzeiterzählung in einem selbst wiederum gespiegelten Mythos? (Homers Helena – die Helena des Simon Magnus). Was soll in diesem Mythos transportiert werden? Wieweit handelt die Erzählung von Karma??
Johannes
Romantischer Schwärmer, verliebt in die Leidenschaft, sucht Wege aus liebesleerer Ehebeziehung und bedeutungslos gewordenem Beruf -Midlifecrisis. Glaubt, Gegenwelt dazu in Ellen gefunden zu haben – unglücklicherweise ist es eine Escort Beziehung. Hat Interesse an Esoterik, an allem, was „Entwicklung“ verspricht – ist dabei widersprüchlich: glaubt an Überwindung des Ichs durch dessen Ausbau – vertieft dabei nur seine Egozentrik. Entdeckt in Ellen die Ideale Frau – sein Wunder. Das, was er zum Leben braucht und bisher vermisst hat. Daher Suchtcharakter der Beziehung, Überlastung des Verhältnisses durch Idealisierung. Er kommt jedoch mit der Realität (bezahltes Zusammensein) nicht klar, obwohl er sich dies immer wieder in Erinnerung ruft. Um den Ausstieg aus seinem bisherigen Leben zu finanzieren (er möchte mit Ellen zusammen nach Italien ziehen, um dort Olivenöl zu produzieren) fälscht er die Unterschrift seiner Frau, um so eine Hypothek auf ein gemeinsames Haus mit Ellen aufnehmen zu können. Der Betrug wird aufgedeckt, Scheidung, der Fall kommt vor Gericht, Verurteilung. Auch sein Ausstieg wird zum Fiasko: Ellen folgt ihm nicht nach Italien, seine Geschäftsidee funktioniert nicht wie geplant, das Haus ist marode und die Instandsetzung überfordert ihn. Dennoch hat er in seinem Exil eine Art Erleuchtungserlebnis, er fühlt sich zum ersten Mal eins mit sich, versöhnt mit den Umständen, angeschlossen an die Realität. Das hindert ihn nicht daran, zurück in Deutschland, wieder die Verbindung zu Ellen zu suchen und erneut in die Beziehungsfalle, wie er es nennt, zu tappen. Er beginnt Ellen nachzuspüren und deckt ihr Verhältnis mit Magnus auf. Dabei trifft er Ellen in einer schwierigen Situation an und glaubt, als ihr Helfer punkten zu können, um sie doch noch für sich zu gewinnen. Bis dahin begnügt er sich mit business as usual.
Ellen
Hat ihren Beruf (= Gelderwerb) im Escort gefunden. Erlebt dadurch viele unterschiedliche, sexuell geprägte Beziehungen. Die zu Johannes ist nur eine davon. Sieht sich im Dilemma: Erfüllt und bestätigt sie empathisch seine Erwartung an sie, bestätigt sie auch seine Vorstellung über die Art ihrer Beziehung – korrigiert sie seine Vorstellung, zerstört sie die empathische Verbundenheit, die sie als die Grundlage ihres Geschäftes ansieht. Grundhaltung: pragmatische und theoretische Nüchternheit – allerdings auch Empathie, Offenheit, Freiheit des Denkens. Als Geheimnis gegenüber ihren Kunden (Privatbereich!) hält sie ihre Beziehung zu Magnus verborgen. Diese ist ihr selbst ein Rätsel, da sie durch ihre Art immer mehr in Widerspruch zu der Weltanschauung von Magnus gerät. Als sie sein Projekt des Kunstlabyrinths finanziell nicht unterstützt, kommt es zum Streit, sie hält aber weiterhin an ihrer Beziehung fest. Dies führt zur Katastrophe, indem Magnus ihr Vertrauen ausnutzt, um an ihr in einem Schließfach in der Schweiz „für später“ deponiertes Erspartes zu kommen. Zusammenbruch. Johannes trifft sie in diesem Zustand an und ist eine Zeit lang ihr helfender Begleiter. Sie lässt nach Magnus suchen, der verschwunden ist, und findet ihn in einem aufgelassenen Fabriklagerhaus auf der Alb, in dem er sein Projekt (mit ihrem Geld) realisieren will. Zusammen mit Johannes fährt sie dorthin, um ihn zur Rede zu stellen und zu bestrafen, dies geschieht jedoch nicht, da Johannes nicht der Richtige dafür ist. Die Verbindung zu Magnus bleibt jedoch weiterhin bestehen, irgendwie lässt sie sich sogar auf seine magische Denkweise ein (will von ihm ein Ritual zur Erhaltung der Jugend), obwohl sie den Verdacht hat, dass er allmählich in einen Wahn abdriftet.
Magnus
Zurückgezogener Eremit, nahe der Grenze zur Selbstauslöschung – bevorzugt jedoch „geistige Selbstentleerung“. Verbohrt sich in Spekulationen über die Natur der Realität (Quantenwirklichkeit usw.). Verwirft Mentalität der Zeitgenossen, sucht eine moderne Art der Gnosis. Wählt Flucht nach Innen, um Öde der Gegenwart zu entkommen. Ellen fühlt sich merkwürdigerweise an Magnus gebunden, obwohl er sich auf seinem Selbstauslöschungs- (Selbsterlösungs-) Trip auch ihr entziehen will. Er ist selbsternannter Künstler, Autodidakt, baut labyrinthische Modelle, in denen er versucht, sämtliche Weltbezüge symbolisch-abbildhaft darzustellen, diese als Signum-Wirklichkeit zu realisieren – versinkt dabei in der Überfülle, der Flut aller Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Alternativen – hat ein magisches Verständnis seines Tuns entwickelt = Resonanz des Ähnlichen, des Gleichen = „wie oben so unten“. Dabei hat er die Chaosmagie für sich entdeckt: Magie der “leeren Hand“, die auf festgelegte (und damit auf ein Weltbild festgelegte) Rituale verzichtet. Überzeugt von der Bedeutsamkeit seines Vorhabens, welches auch scheinbar unrechtmäßige Handlungen rechtfertigt, nimmt er Ellen Erspartes an sich, um es für ein „nicht egozentriertes“, und damit übergeordnetes Ziel zu verwenden. Bei seiner aus Freiheitsbedürfnis entstandenen Beschäftigung mit magischen Praktiken überschreitet er jedoch eine Grenze, welche die „Normalität“ üblicherweise sichert, er beginnt Stimmen zu hören und sich nach „Zeichen“ zu richten. Für ihn bedeutet das jedoch nur, dass er zu einer höheren Sicht auf die Dinge aufgestiegen ist, in der er die zugrundeliegenden Muster erkennen und auch beeinflussen kann. Aus der Erkenntnis der Quantenphysik und auch aus Sufi-Lehren, wonach es kein feststehendes Sein gibt, sondern ein „in jedem Augenblick neu geschaffenes“ folgert er, dass es möglich sein müsste, in diesen Neu-Schaffungsprozess einzugreifen und etwas Neues einzufügen (einzuschmuggeln). Dann erscheint in der (neugeschaffenen) Realität ein Element, das es vorher nicht gab – „wie durch Zauberei“. Bei seinen Versuchen, dies durch Mentaltraining und begleitende Rituale/Symbole zu bewerkstelligen, erfährt er jedoch ein merkwürdiges Löcherig werden der Realität, für ihn löst sich diese allmählich auf, der Stoff der Wirklichkeit wird fadenscheinig, partiell durchsichtig. Es ist ein teilweise angsterregender Prozess, der jedoch scheinbar nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der tiefste Sinn seines Kunstwerkes soll die Erlösung des Kosmos sein. Dessen reale Umwandlung. Für ihn ist nämlich die im christlichen Mythos versprochene Erlösung nicht eingetroffen, siehe den Zustand der Welt. Er möchte einen Fokus installieren, von dem die Umwandlung ausgehen kann. Als Inszenierung eines Analogzaubers. Dazu muss er in seiner Installation die bisherige Evolution symbolhaft darstellen. Und in dessen Zentrum ein auslösendes Ritual ausführen. Magnus verstrickt sich immer mehr in solche Gedankenszenarien, sein Projekt wird für ihn zur Obsession. Er schwankt, ob dieses Ritual ein Opfer verlangt (wie in den antiken Kulturen), ein Selbstopfer (wie von Jesus), eine Heilige Hochzeit (wie in Sumer oder bei Crowley). Auf jeden Fall ein starkes emotionales Moment. Ellen soll neben ihm eine Hauptrolle spielen. Er nimmt dabei den Mythos vom Abstieg der Sophia in die Welt des Demiurgen bei Simon Magus zum Modell, bei dem es zur Erlösungstat und damit zum Beginn des Aufstiegs kommt. Ellen ist seine Helena-Sophia.
Der Engel der gescheiterten Hoffnung
Die Alltagsebene zeigt drei Menschen, die emotional aneinander gebunden sind, deren Lebensläufe miteinander verstrickt sind. Auf dieser Ebene gibt es keine Auflösung des Knotens. Es gibt jedoch eine imaginäre Ebene, die des „Engels der gescheiterten Hoffnungen, der nichtrealisierten Möglichkeiten“ (des Nachbarn von Ellen), auf welcher deren Leben wie ein Ausschnitt aus einer viel weiter gefassten Erzählung erscheint. Sie steht im Zusammenhang mit dem Simon-Magus-Mythos, als dessen Reflexion in der Gegenwart. Aus dem Ozean der Erzählungen schöpft der Engel die Geschichte der Drei, verändert sie auch, gibt dem Ganzen einen anderen Schluss, verwirft und ändert wieder. Ellen stirbt - Ellen wird geopfert - Ellen befreit sich von Magnus; Magnus wird verrückt - Magnus begeht Selbstmord - Magnus verschwindet spurlos; Johannes zieht mit Ellen zusammen - Johannes findet sich selbst im Alleinsein - Johannes kehrt zu seiner Frau zurück. Unendliche Variationen in einem unendlichen Möglichkeitsraum (oder in Parallelwelten).
Kapitelfolge
1. Prolog im Irgendwo
2. Johannes spricht
3. Ellen Spricht
4. Magnus spricht
5. Ellen über Johannes. Ihr Leben im Allgemeinen, ihre Reisen u. Erfahrungen in ihrem Job. Biographisches: wie sie Magnus traf und ihr Verhältnis zu ihm.
6. Magnus über Ellen. Beschäftigung mit seinem großen Werk. Weigerung Ellens, ihm dafür die Mittel zu geben. Auseinandersetzungen.
7. Johannes will seinen Plan umsetzen, mit Ellen nach Italien umzusiedeln. Fälscht dazu die Unterschrift seiner Frau, um eine Hypothek auf ihr gemeinsames Haus aufzunehmen. Lässt es darauf ankommen, dass seine Frau seine Verbindung zu Ellen mitbekommt. Unglücklicher Zufall führt zur Aufdeckung von beidem. Gericht und Scheidung steht bevor.
8. Magnus reist mit einer Bekannten in die Schweiz und räumt mit deren Hilfe das Schließfach mit Ellens Erspartem ab. Er mietet eine aufgelassene Lagerhalle auf der Schwäbischen Alb, um seine Installation zu bauen. Rituale und bedrängende Visionen.
9. Ellen lehnt Johannes Vorschlag ab, mit ihm nach Italien zu ziehen. Sie ist empört über seinen Verrat an seiner Frau. Hat eine längere Reisebegleitung nach Spanien, anschließend einen Termin in der Schweiz. Dort erfährt sie vom Besuch von Magnus bei ihrer Bank. Absturz.
10. Johannes steht vor den Trümmern seines bisherigen Lebens. Er verdächtigt Ellen, ihn eigennützig getäuscht zu haben. Will die Wahrheit herausfinden und beginnt ihr nachzuforschen. Findet sie in einer emotional aufgewühlten Verfassung, bietet sich als ihr guter Freund und Helfer an. Kann sich die Beziehung zwischen ihm und ihr und zwischen ihr und Magnus nur als karmisch bedingt vorstellen. Kommt daher auf die Simon Magus Geschichte.
11. Einschub: Die Geschichte von Helena und Simon.
12. Ellen sucht mit Hilfe eines Detektives nach Magnus, findet seinen Aufenthaltsort. Fährt mit Johannes dorthin, um Magnus zur Rede zu stellen. Die Lagerhalle ist verlassen, die Installation nicht vollendet. Magnus ist verschwunden. Ellen beschließt, von vorne anzufangen: in ihrem Leben und in ihrem Job. Sie stürzt sich in die Arbeit, will aber Johannes nicht mehr als Kunde haben und ihn auch nicht mehr sehen.
13. Johannes geht nach Italien, beginnt, die gekaufte Immobilie zu renovieren. Überforderung. Nach Herzattacke und Aufenthalt im Krankenhaus beschließt er, sich auf seine innere Entwicklung zu konzentrieren und sich an den kleinen, alltäglichen Dingen aufzurichten. Freundschaft mit Nachbarn. Er lernt, sich in seiner Einsamkeit als in einer Idylle einzurichten.
14. Magnus kehrt zurück zu seiner Lagerhalle. Er war in den Wäldern umhergeirrt, verfolgt von Stimmen und Halluzinationen. Sein Werk kommt ihm verfehlt, nicht gut genug vor und in einem Anfall von Verzweiflung zerstört er es. Setzt die Lagerhalle in Brand und wird durch die Polizei zur Untersuchung in die Psychiatrie eingeliefert. Dort findet ihn Ellen.
15. Johannes sucht wieder den Kontakt zu Ellen, kehrt zurück nach Deutschland. Sie macht mit ihm einen Besuch bei einem Hermaphroditen, um gemeinsam ein Ritual zur Bewahrung der Jugend auszuführen, welches ihr Magnus aufgeschrieben hat. Er drängt sich nicht mehr auf, hofft aber immer noch auf ein anderes, privates Verhältnis zu ihr.
16. Magus ist wieder in seiner alten Kellerwohnung. Er muss Neuroleptika nehmen und sich ambulant behandeln lassen. Fühlt sich dadurch gefesselt und lahmgelegt. Fühlt sich in der Schuld Ellen gegenüber und weiß nicht, wie er diese Schuld abtragen kann.
17. Ellen versucht ihr Gleichgewicht zu bewahren. Ist das, was sie mit Johannes macht richtig? Hätte sie sich Magnus gegenüber anders verhalten müssen? Sie sucht nach einem Ausgang aus der ganzen Situation, weiß aber nichts anderes, als weiter zu machen wie bisher. Küchenbrand.
18. Epilog: Der Engel der gescheiterten Hoffnungen spricht. Was verfehlt wurde, was nicht mehr in Ordnung gebracht werden kann, was als Hoffnung begraben werden muss wird von ihm bewahrt und zum Neubeginn zurückgegeben. Wiederum Unendlichkeit der Möglichkeiten.
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